Am Sonntag wurde der Platz der Reformatoren in Budapest übergeben. Beim Übergabefeier des im Stadtteil Sashalom ausgebauten Platzes erklärte der Minister für Humanressourcen Zoltán Balog, es sei unsere gemeinsame Verantwortung, dass man an Ungarn sieht, dass hier Christen leben. Gergely Gulyás betonte in seiner Festrede, dass die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Reformation und des Ungarntums Hand in Hand verlaufen. Nach dem Fraktionschef von Fidesz verlief der Kampf um die Ausübung protestantischen Glaubens bzw. um das Erhalten des Ungartums in der ungarischen Geschichte immer gleichzeitig.

Gergely Gulyás erinnerte an die Geschichte der 1674 wegen ihres Glaubens zu Galeerensklaverei verurteilten 47 Protestanten, mit der Zugabe, dass die ungarischen Protestanten jahrhundertelang nichts andere tun konnten, dass sie „an ihren Glauben, ihrer Überzeugung, der Lehre Christi und ihrer Kirche während der Verfolgungen hartnäckig festhielten“. „Die kalvinistische Hartnäckigkeit wurde Teil unseres Nationalcharakters“ – fügte er hinzu.

Die Geschichte der Galeerensklaven lebte im Bewusstsein der Ungaren seit Jahrhunderten und spricht auch heute darüber, dass ungarische und christliche Menschen weder ihre Heimat, noch ihre Berufung und Religion verleugnen können – sagte Gergely Gulyás. Er wies darauf hin, dass das 500. Jubiläum der Reformation nicht nur für die Protestanten, sondern für jede Ungar eine Feier bedeutet und erinnert uns an die Rolle der Reformation am Erhalten des Ungarntums. Der Minister für Humanressourcen, Zoltán Balog sagte in seiner Begrüßung, es sei unsere gemeinsame Verantwortung, dass das Bekennen des Glaubens in Statuen oder in anderen Symbolen nicht eine kirchliche Verpflichtung bleibt, nicht nur zwischen den vier Wänden der Kirchengebäuden erfolgt, sondern sollte man „im Raum präsent sein“, der uns im Laufe der Geschichte „gegeben wurde“.

„Es sei unsere gemeinsame Verantwortung, dass man an Ungarn sieht, dass hier Christen leben“ – betonte der Minister. Er fügte hinzu, dass er wünscht, in diesem Land sollten immer mehr Leute ihren Glauben zum Vorschein bringen, nicht als Protzerei, sondern als Benennung der Quelle, von der wir alle leben. Der Abgeordnete Kristóf Szatmáry (Fidesz), Gründer der Stiftung „Würdiges Feiern des 500. Jubiläums der Reformation“ erklärte, dass der neu gebauter Platz als die größte Gedenkstätte der Reformation im Mitteleuropa gilt. Der Politiker sprach auch darüber, dass die Reformation wie jede Änderung mit viel Gewalt und Aufruhr einherging. Die Reformation fiel in diesem Kampf zuletzt nicht, aber sie wurde auch keine ausschließliche Religion und durch diese Doppelseitigkeit hatte sie eine produktive Auswirkung zuerst in Europa, dann auf der ganzen Welt. Dadurch konnte sie zeigen, wie einige aus wahrem Glauben entstandene Gedanken auf die ganze Welt auswirken kann – fügte er hinzu.

Der Bürgermeister des 16. Bezirks, Péter Kovács (Fidesz-KDNP) sprach darüber, dass die Reformatoren die Religion, den Glauben nicht verworfen, sondern neu geformt hatten. Das geschah auch mit diesem Platz, führte der Bürgermeister fort, in verwahrlostem Zustand bedeutete er nichts für die Bewohner, aber jetzt wurde er umgestaltet, damit er ein Platz sein kann, wo die Vorort-Bewohner umblicken und nachdenken können, ob es etwas in ihrem Leben, in ihrer Umgebung gibt, das reformationsbedürftig ist. Das Denkmal wurde vom geistlichen Vorsitzenden der Ungarischen Reformierten Kirche, István Bogádi Szabó und vom Vorsitzenden Bischof der Ungarischen Evangelischen Kirche, Péter Gáncs gesegnet. Der im 16. Bezirk von Budapest, am Ende der Straße Sashalom ausgebaute, 12.000 m2 große Platz, in Mitte mit dem Reformationsdenkmal wurde aus 336,5 Millionen Forint verwirklicht. Auf dem Platz, der auf gleicher Meereshöhe wie der Gellértberg in Buda liegt, befinden sich ein 17 Meter hoher Aussichtsturm, ein 80 m2 großes Café, Spazierwege und Parkplätze.

In der Mitte des Platzes wurde ein runder, 3 Meter breiter Springbrunnen aus weißem Stein nach den Entwürfen von Mária R. Törley aufgebaut. In der Mitte befindet sich ein Kugel, auf den das Wasser aus drei Richtungen fließt. An der Zarge wurden die wichtigsten Gedanken der Reformatoren graviert, neben dem Brunnen stehen die Statuen der beiden Kirchengründer, Martin Luther und Jean Calvin, sowie des Fürsten István Bocskai, der den Religionsfreiheit erklärenden Frieden von Wien abgeschlossen hatte.

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