Zwei Luther in einer Oper? Es ist möglich, jedoch wirklich schwer (gut) aufzuführen Mit „Luthers“ (einer Koproduktion der Bartók Plusz Opernfestspiele, sowie des Nationaltheaters Csokonai in Debrecen) ist jedoch Direktor Péter Gemza gelungen, in der Genre der Ragtime-Oper etwas Unvergängliches zu schaffen.

Am 18. Juni, Sonntag wurde in Miskolc am dritten Tag der Bartók Plusz Opernfestspiele die in der Regie von Péter Gemza, unter der komponistischen Arbeit von Tamás Ittzés (dem Leiter des Bohém Ragtime Band), sowie unter der Mitwirkung des Dramatikers Gábor Lanczkor auf die Bühne gebrachte Ragtime-Oper Luthers aufgeführt.

Was ist eine Ragtime-Oper?

Es ist eine interessante Genre, da die Ragtime–Oper sämtliche musikalische Elemente in ihrer Repertoire aufführt, die sich in die Jazz-Genre einfügen. Es sind darin Elemente von Swing, Blues, Dixieland, Gospel zu finden, manchmal auch Klangfarben der Operette, nicht zu schweigen über den Ragtime selbst. Es ist eine Besonderheit, dass das Orchester während der Aufführung nicht im Orchestergraben, sondern oben auf der Bühne spielt. Die erste Ragtime-Oper hat Scott Joplin vor gut 100 Jahren komponiert.

Den Leitfaden von Luthers stellen die wichtigsten Momente des Lebens von Martin Luther King dar. In der Aufführung waren der Busboykott von 1955 und die nachfolgenden Bewegungen und Diskussionen zu sehen, sowie der Augenblick, als jemand in die Wohnung von Martin Luther King ein Molotowcocktail geworfen hatte. In der Produktion wurde es (symbolisch) dadurch gelöst, dass ein Kreuz flammte, als Martin Luther King durch das Fenster schaute. Dank der Kreativität der Bühnenbildnerin Zsófia Mészáros wurde das Altarbild am Anfang der Aufführung durch einen Aufbau zusammengestellt, das später in der Mitte der Aufführung umgekehrt und in die Kanzel von King umgewandelt wurde. In der Beerdigungsszene wurde der Sarg auch aus diesem Bauwerk für Martin Luther King herausgenommen. In der Geschichte wird ein anderer wichtiger Darsteller, nämlich Martin Luther selbst, „belebt“. Nachdem Martin Luther King stirbt, begegnen die beiden Titeldarsteller im Himmel, wo sie (gefolgt von einigen geistreichen Anmerkungen und hingewiesen auf den Bierliebhaber Martin Luther) beide feststellen, dass die spannenden Probleme, die Martin Luther im Jahre 1517 und Martin Luther King einige Jahrhunderte später interessierten, bis zum heutigen Tag aktuell sind.

Die musikalische Grundlage von „Luthers“, die zu Ehren der 500. Jahresfeier der Reformation entstand, wurde durch die erweiterte Bohém Ragtime Jazz Band unter der Leitung des Komponisten Tamás Ittzés gespielt, die mit ihrer genialen Aufführung die Stimmung noch weiter steigerten. Das alles, ergänzt durch hervorragende Tanzeinlagen, Gesänge und schauspielerische Auftritte, hatte eine erstklassige Produktion zur Folge. Es war hinreißend. Die Zuschauer konnten das Gefühl haben, dass sie in diesen zwei kurzen Stunden tatsächlich am Leben und an den Träumen von Martin Luther King beteiligt sind. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit sind die Namen der Hauptdarsteller zu erwähnen: Martin Luther King wurde von Gergely Biri , den im Traum erscheinenden Martin Luther von István Kovács gespielt. Coretta, die Frau von King, spielte Kíra Nagy, Lucy, die Freundin von Coretta Mariann Mudrák. Die Sprecherin war Ilona Sárközi-Nagy. Das außerordentliche Bühnenbild und die Kostüme waren Zsófia Mészáros zu verdanken, für die Choreographie war Dóra Kasznai verantwortlich.

Am Ende der Aufführung fand ein Empfang statt, wo auch Dr. Károly Hafenscher, der Ministerialbeauftrage der Gedenkkommission Reformation anwesend war. In seiner kurzen Dankrede gratulierte er den Teilnehmern der Produktion für ihre hervorragende Leistung, sowie betonte, dass wir dieses Jahr das Gedenkjahr der Reformation feiern, und eine seiner wichtigsten Zielsetzung besteht darin, dass man möglichst umfassend, in möglichst vielen Genres jene Werte aufzeigen und aufführen kann, die das Wesen der Reformation nicht in der Vergangenheit dösend, sondern auf eine moderne Weise erfassen können.

Im vollständig ausverkauften Nationaltheater in Miskolc nahmen wir an einer tatsächlich wunderbaren Uraufführung teil, die einerseits ein würdiges Gedenken und eine Ehrenbezeigung vor der Genre der Ragtime-Oper, andererseits auch vor dem 500-jährigen Jubiläum der Reformation war. Wenn jemand die Produktion am Sonntag nicht gesehen hat, jedoch interessiert ist, soll nicht verzagen, denn im Csokonai-Theater in Debrecen kann man die Ragtime-Oper „Luthers“ im Laufe des Jahres mehrmals sehen.

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